Nachruf

Prof. Dr. Dr. h. c. C. Wolfgang Müller starb am 21. April 2021 mit 92 Jahren in Berlin. Mit ihm verliert die Soziale Arbeit einen ihrer führenden Denker. Mit seinen Studienabschlüssen und Promotionen der Publizistik, Theaterwissenschaften und Germanistik sowie der Erziehungswissenschaften und der Sozialpädagogik entwickelte er die Erziehungswissenschaften und die Soziale Arbeit unermüdlich weiter. C.W. war Journalist, Jugendpfleger, Professor – und verband damit stets Theorie und Praxis. Nichts könne ohne das andere existieren.

Wir kannten C.W. als einen scharfsinnigen und witzigen Denker, der nie um eine Frage verlegen war. Alles wollte er wissen, ging den Dingen gern auf den Grund. Sein Forscherdrang führte zu ungeheurem Wissen, das C.W. auf eine spannende und faszinierende Art an seine Studierenden, Kolleginnen und Kollegen und Mitstreitenden weitergab. Dabei war er nie von oben herab, sondern immer im Gespräch auf Augenhöhe. Seine zugewandte und wertschätzende Art ließ die Aneignung von Wissen sehr leicht erscheinen. Aus einem Gespräch ging man immer klüger heraus als man hereingegangen war.

C.W. legte als Hochschullehrer Generationen von Studierenden und darüber hinaus auch Kolleginnen und Kollegen diese Grundlagen ans Herz und liebte und lebte die Geschichten von marginalisierten Gruppen, gesellschaftlichen Spannungen und deren Empowerment. Seine journalistische Ausbildung bereicherte didaktisch auch seine Lehre. C.W. ermunterte zum Weiterdenken, Ausprobieren, dazu, nichts und niemanden aufzugeben, wenn es schwierig werde. Er forderte auf, kritisch zu sein mit sich und der Gesellschaft und dysfunktionale Strukturen auch zu thematisieren. Die Soziale Arbeit produziere aus sich heraus eine Distanz zum Staat, weil sie sich dessen Probleme annehme, die „Verlierer“ vertrete und unterstütze. Der Blick müsse auf die Zielgruppe gerichtet bleiben. Der Gefahr einer "fürsorgerischen Umzingelung" müsse mit der unterstützten Freisetzung von Selbsthilfepotenzialen begegnet werden.

Als langjähriges Mitglied im Kuratorium der Stiftung SPI begleitete C.W. unsere Arbeit kritisch und mit hoher Anerkennung. Aktuelle Entwicklungen spiegelten sich in seinen Beiträgen immer wider und knüpften an theoretische Fundamente und praktische Erfahrungen gleichermaßen an.

Unsere Arbeit wurde durch ihn besser. In unserer pädagogischen Haltung lebt er weiter. An seinen Visionen arbeiten wir. Wir vermissen ihn sehr.

Die Geschäftsbereiche, der Vorstand und das Kuratorium der Stiftung SPI

Traueranzeige der Stiftung SPI (PDF, 31 KB)

Brief an einen Freund: Laudatio von Prof. Dieter Kreft zum 90. Geburtstag (PDF, 300 KB)

Zum Tod von C. Wolfgang Müller: Ein Nachruf von Sabine Hering und Manfred Kappeler (PDF, 28 KB)